Das frisch lackierte Hutschpferd

„Mindestens 18 Prozent österreichische Musik auf Ö3 – Medienminister Blümel sieht wesentlichen Schritt zur Stärkung heimischer Identität“ , feiert die APA am 12. Juni eine Vereinbarung auf eine „österreichische“ Musik-Quote in den ORF-Programmen, was einerseits bei einem von den österreichischen Gebührenzahlerinnen und Gebührenzahlern zu 100% finanzierten Medium eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte und andererseits dem ORF-Chef keinen Zacken aus der öffentlich-rechtlich finanzierten Krone fallen lassen wird, da diese Vereinbarung quasi eine freiwillige ist, also de facto keiner Kontrolle unterzogen wird und somit keinerlei Sanktionen drohten, hielte sich der ORF nicht daran.

Das scheint allerdings nicht der einzige Grund gewesen zu sein, warum Wrabetz sich bei der Präsentation dieser epochalen Vereinbarung so herzerfrischend von einem Ohr zum anderen breit lächelnd und ungewohnt locker zeigte. Ein leidgeplagter österreichischer Medienkonsument ahnt schon, dass dieser Deal das Ergebnis eines quid pro quo sein könnte, dass also die GIS weiter schröpfen darf, somit die ORF-Gebühr am Leben bleibt, wenngleich wohl ein wenig abgemildert, also wahrscheinlich um den einen oder anderen Euro reduziert – was den in Sachen Gebühren-Aus schon wieder „umfallenden“ Blauen quasi als rettender Strohhalm dargeboten werden könnte, um die murrende Wählerschaft zu besänftigen.
(Kleiner Tipp für die freiheitliche Wahlanalyse nach der absolvierten nächsten Nationalratswahl: Ja, es waren die gebrochenen Versprechen!)

Somit bleibt beim 30%-Sender, der von 100% bezahlt werden muss (da hört sich das mit der Freiwilligkeit ganz schnell auf!), grosso modo alles beim alten. Die GIS wird weiterhin hart an der Grenze der Legalität agieren dürfen, sich beispielsweise Zutritt zu Wohnungen verschaffen, säumigen Zahlerinnen oder Zahlern Inkassobüros an den Hals hetzen und wenn das alles noch nicht reichen sollte, den p.t. Kundinnen und Kunden via Bezirksgericht den Exekutor ins Haus schicken. Das alles wird also bleiben, wenn man eins und eins zusammenzählen kann und die österreichischen Gepflogenheiten zu interpretieren weiß.

Der freiheitliche Mediensprecher wird hierbei wohl kaum Hilfreiches beitragen können, denn je nach Lust und Laune, hört man Mal, dass die FPÖ für eine spürbare Gebührenreduktion sei, dann wiederum, – so geschehen letzte Woche via OE24 – dass die FPÖ selbstverständlich die GIS-Gebühr abschaffen will, und so weiter und so fort.

Auffällig ist jedenfalls, dass diese insistierenden Fragen, dieses Nachfragen einer Thurnher, einer Lorenz-Dittelbacher (ZIB 2, ORF III, u.ä.mehr) an den „Medienminister“ wie das denn nun mit der Gebührenfinanzierung des ORF sei, abrupt aufgehört haben. Mucksmäuschenstill ist es darum geworden.

Ja, wie denn? Interessiert das einen Wolf, eine Thurnher, eine Lorenz-Dittelbacher gar nicht mehr? Da soll einer schlau daraus werden…

Gibt ja nur eine logische Erklärung: Der Deal steht. Basta!

Das scheint also zu kommen: Eine geringfügige, kaum spürbare Reduktion der GIS-Gebühr, dafür eine famose Musik-Quote für einheimische Musiker, was immer das auch heißen mag.

Die Privaten, die sich sonst jahrein, jahraus lauthals über den Platzhirsch ORF echauffieren und auf allen Kanälen gegen den Küniglberg wettern, verhalten sich seit Beginn der seltsamsten Medien-Enquete, die jemals initiiert worden ist, auffallend ruhig, still und leise. Kein Wörtchen an Kritik kann man vernehmen. Das Gegenteil gar tritt zutage: Vertreter privater Sendeanstalten scheinen plötzlich Gründe um Gründe zu finden, weshalb es ein zwangsfinanziertes Programm geben soll, geben muss! Man wähnt sich im falschen Film. Was denn nun?!

Und wenn man dann hinter die potemkinsche Medien-Enquete-Fassade blickt, scheint schnell klar, dass da schon der nächste Deal, das nächste quid pro quo lauert: Geld, viel Gebührengeld wird fließen, vom ORF zu den Privaten, vom ORF zu den Printmedien usw.

Alles bleibt also beim alten und wie gehabt wird nix reformiert, sondern lediglich ein neuer Anstrich angerührt, damit man dem staunenden Publikum einen völlig neuen, ach was, einen atemberaubend neuen ORF präsentieren wird können. Und das wird eine Präsentation werden, die man hierzulande noch nicht gesehen haben wird.

Man könnte gerne darauf verzichten!

©njr, 2018

https://www.orf-watch.at/Debatte/2018/06/das-frisch-lackierte-hutschpferd

(bild:wikipedia)