T-3

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„…..Fuchsteufelswild. Hektisch gerötete Wangen. Ihr das anzutun! Ihr! Das! Eine bodenlose, abgrundtief lächerlich, boshafte Schweinerei! Sie betrachtet ihr außer Rand und Band geratenes Mienenspiel, das sich im schlierigen Vorzimmerspiegel zeigt.

Ich sehe aus wie ein Clown, ich gleiche einem Clown, sinniert sie mürrisch und kramt in der übergroßen Handtasche, die sie eintretend wütend zu Boden fallen gelassen hat, nach dem Päckchen Zigaretten, findet endlich dieses und saugt bald danach gierig und mit tiefen Zügen. Blau-weiße Rauchfäden kringeln sich vor ihrer Nase und steigen zur Decke empor. Sie starrt in ihr Spiegelbild durch den dünnen Rauchschleier, der wie ein Filter ihre Gesichtszüge sanfter, milder erscheinen lässt.

Die Tochter, nein, gemeiner, mieser, hinter vorgehaltener Hand, hinter hämisch zuckenden Mundwinkeln gebrabbelt, gesäuselt, das Fräulein Tochter also, nein, SEINE Tochter, SEINE. Der große, ach was, der größte Stadtpolitiker seit Menschengedenken, weiß Gott, und alle, tatsächlich alle, deren halbgare Worthülsen, belanglose Stehsätze allesamt darin mündeten: Endlich also tritt SEINE Tochter in das Rampenlicht, wird schließlich SEINEN Weg fortführen, dann daran besteht, bestünde ja nicht der Funken eines Zweifels, wie in dem hohen Arkaden gesäumten Rotziegelmonsterbau eifrig weiter gereicht, kolportiert, geraunt wird.

Das Händeschütteln und das Durchzwängen, die fiesen, miesen, rot-getrunkenen Alkoholfratzen!

Diesmal würde sie nicht davonkommen, nein, sie würde das Amt annehmen müssen. Geschickt eingefädelt! Sie also nun eine verschworene, betörte, (Machtrausch? Nein!) Komplizin also, daher, steht ja fest und wird sogleich verkündet.

Dann sich durch die kleinen Gruppen der Provinzler zwängen zu müssen, die naturgemäß, einer inneren Ordnung folgend, sich weitab vom Zentrum des Geschehens platziert, positioniert haben, um ja keinem Partei-Mächtigen ins Blickfeld zu geraten. Dort stehen sie also und tuscheln verhalten Nebensächlichkeiten.

Diese Provinzler, den Stall-Dreck noch an den ausgelatschten Schuhen, wie sie in die Stadt, ihre Stadt strömen und alles verdorfen, alles was sie anpacken provinziell ausstaffieren, diese stinkenden Schweine! Vor ihrem Auge waren sie alle gleich. Die große Stadt, ja, dorthin muss man kommen, von Gramatneusiedl her oder Krähwinkel, von Oberunternbach oder Niederheimstetten oder Retz oder Weitra oder aus irgendeinem anderen miesen Kaff hinter den sieben Bergen und alle, alle möchten sie herkommen und sich breitmachen und für Zeitungen schreiben und Filme machen und Bilder malen und Musik komponieren und dennoch haben sie alle niemals den Stall-Dreck ablegen können, haben niemals die dampfende, stinkende Kuh-Scheiße abstreifen können, riechen, stinken, müffeln nach Stall, Jauche, Abfall. Man erkennt ihre städtischen Rückzugsgebiete auf den ersten Blick, wie sie Stadtzug um Straßenzug verdorfen, provinzialisieren, verschandeln, verderben für alle Zeiten….“

©njr, 2018