Die Geschichte Christian Kerns und der SPÖ ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Die Partei ersehnte einen ehrlichen, grundsoliden, vorbildlichen Sozialdemokraten, der neue, visionäre Wege zum Wohl und zum positiven Fortkommen der Bewegung in Angriff nehmen sollte, Kern hingegen ersehnte sich nichts als ein Sprungbrett, einen Karriere-Turbo, der ihm persönlich und exklusiv zur Verfügung stehen sollte, und so fanden schließlich zwei zusammen, die niemals füreinander bestimmt waren.

Der aalglatte Karrierist, der seinen politischen Werdegang – wie es nun scheint – akribisch durchgeplant hat, der die richtigen Seilschaften schamlos für sich zu nutzen wusste, der stets den Blick auf den ureigenen, persönlichen Vorteil richtete. Die Partei? Seine Partei? Was kümmerte ihn schon sein Geschwätz von gestern?

Ehrlicherweise muss man nach ein wenig mehr als zwei Jahren, die Kern der SPÖ vorsteht, konstatieren, dass er niemals in eben dieser Partei angekommen ist und sein ganzes Gehabe und sein „politisches“ Handeln diametral den sozialdemokratischen Werten entgegenwirkte. So richtig warm ist er halt niemals geworden mit dem „kleinen Mann“, den er eigentlich lautstark, kräftig und entschlossen vertreten hätte sollen, um für dessen bessere Zukunft zu arbeiten, Tag und Nacht.

Ha ha, der war gut! Nichts lag und liegt dem geschniegelten Aufsteiger so fern, wie der gemeine Hackler. Da fühlte er sich stets irgendwie unwohl oder gar gehemmt, traf er auf Vertreter jener Spezies, was sich leider oftmals beim besten Willen nicht vermeiden ließ!

Ja wie denn? Er wird ja noch seine eigene Legende sich zurechtlegen dürfen, und – voila – da war sie auch schon, ganz im sozialdemokratischen Duktus: Die Familie, alles Arbeiter, jawohl, im Simmering der Siebzigerjahre, na, geht doch. Man kann annehmen, dass ihm das eher gegen den Strich gegangen ist, dass ihm wohl die alten, teils vergilbten Simmeringer Bilder peinlich berührt haben, denn mit jenem Arbeiterflair aus dem tiefsten Wien-Simmering hat er ja heute aber so was von gar nichts mehr gemein, also wirklich! Echt peinlich! Ja!

Erst kommt Kern, dann die Partei. So war es immer und so inszenierte der Parteiobmann auch seinen bizarr verkündeten Abgang Richtung Brüssel. Und die Partei? Schockstarr stimmt sie allem zu, was der geschniegelte Karrierist in seiner großartigen Arroganz sich eben so vorstellt von seinem weiteren Weg auf der Karriereleiter. Also die Mühen der Oppositionsebene im Wiener Parlament abzusitzen, nein, nein, dazu ist er sich einfach zu schade und vor allem: es passt einfach nicht in seine Karriereplanung! Denn nun wartet der Jackpot!

Europa! Europa!

Dorthin zieht es den frischgebackenen Kandidaten von eigenen Gnaden, denn dort gehört er ja gefühlt seit Anfang seiner Tätigkeit für die Partei hin!

Am Beginn seiner sozialdemokratischen Karriere, als er sich als kleiner Sekretär im Parlament andienern musste, was er jahrelang durchhielt, was er erduldete, was er erlitt, war weit unter seiner Würde! Gut, die Partei wollte, forderte, und es gab ja nur den einen Weg nach vorne, nach oben. Also biederte Kern sich jahrelang an, gab nebenbei ordentlich Ezzes – ganz rebellischer Parteijugendlicher – in einer sozialistischen Postille und war es so gar nicht zufrieden, wie sich sein parteiinterner Werdegang in aller Deutlichkeit abzuzeichnen begann.

Wozu aber sind gute Beziehungen da? Eben! Also in den Verbund, in die Verstaatlichte hinein, da würde einer wie Kern doch perfekt passen, und so geschah es auch.

Vorwärts!

Man muss es frei heraus sagen dürfen: Christian Kern ist eine Enttäuschung! Für die Partei, für die Menschen, für das Land!

Nichts hat er für die Partei auf die Reihe gebracht! Gar nichts! Das Gegenteil von Solidarität hat er befördert: Interner Streit und Postenschacher feierte und feiert fröhliche Urständ. Eine Aufstockung seiner persönlichen Bezüge hat er durchgedrückt, da er mit einem lächerlichen Obmann-Salär ja nie und nimmer leben würde können, also wirklich! Wie das auf den kleinen Parteigänger, da draußen irgendwo in Simmering beispielsweise, wirkt? Who cares? Er hat es ja redlich verdient, es steht ihm ja zu! So wie ihm nun also Europa zusteht! Die großen Fleischtöpfe, da will er hin, der aalglatter Ex-Kanzler, der baldige Ex-Vorsitzende.

Er hat die meisten enttäuscht und dies in einer Weise, die widerwärtig und eigentlich abscheulich ist, denn die hehren Worte seiner Antrittspressekonferenz klingen ja noch allen in den Ohren! Was hat er da alles fabuliert und schwadroniert! Ja, das konnte er erstaunlich gut; Das Blaue vom Himmel herab versprechen und in schön gesetzten Worten wolkig verbreiten.

Aber wie er seine eigene Partei schlussendlich düpierte, das schaut so ganz nach einem Meisterstück aus! Denn sich selbst coram publico als Spitzenkandidat aufzustellen – ohne vorab in diversen Parteigremien davon Kunde zu geben – , ist ganz genau eine jener unverschämten, egoistischen Volten, die Kern so exzellent aufs Parkett legen kann, wenn, ja wenn es um das eigene Fortkommen geht! Hätte er diese diplomatischen Kunstgriffe bloß mal seiner Partei zugute lassen kommen im mürbe machenden und aufreibenden Oppositionsalltag! Das wäre was gewesen!

Und die Partei? Hätte man Mut, Entschlossenheit und Kraft, so würde man jenen geschniegelten Managerdarsteller eiskalt auflaufen lassen und diesen weiteren, emsigen Totengräber der österreichischen Sozialdemokratie im Regen stehen lassen, um ihm eben NICHT die Möglichkeit einzuräumen, sein persönliches Salär (denn darum ging und geht es ihm ausschließlich) mit dem Europa-Schmäh jahrelang ordentlich aufzufetten!

Doch es kommt, wie es vorauszusehen war. Von eigentümlicher Angst getrieben, irgendwie wohl das Gesicht zu verlieren, lässt man diesen Abbau-Manager der österreichischen Sozialdemokratie munter weiter die Partei verhöhnen und lächerlich machen. War da was mit Parteitag? Alles schon vorbereitet! Reformparteitag, klar! Kern überall präsent, online wie analog! Tja, Pech gehabt! Also alles auf Anfang!

Schließlich geht es um Kern und nicht um die Partei! Also, Genossen, verschiebt diesen komischen Reformparteitag, denn erstmals steht die Reform Kern` scher Einkünfte auf dem Tagesplan, und die ist ja nun mal wichtiger! Für Kern! Versteht sich! Und die Partei nickt das alles ab! Verschiebt den Parteitag! Lässt keine interne – wie das ja früher üblich war – Kandidatenfindung mehr zu, sondern legt sich in einer Nacht- und Nebelaktion, da draußen im Renner-Institut, gleich mal auf den Kandidaten fest! Na was denn!?

Welche Außenwirkung das auf die treuen Parteianhänger, auf die Funktionäre und Wähler wohl haben mag?

Fragen über Fragen!

Doch Hauptsache, Kern geht es gut!

Was scheren ihn seine hehren Worte von früher?

Europa wartet! Dort steht seine Bühne. Dort will er die „Straches, Salvinis und Kaczynskis“ bekämpfen. Nun, Herrn Strache zu „bekämpfen“ hatte er hierzulande jede Möglichkeit, scheiterte daran aber kläglich, so wie er als Parteivorsitzender, als Oppositionsführer und als Kanzler grandios Schiffbruch erlitt. Doch lasst ihn erst in Brüssel ankommen, dann wird der große Kampf des Christian Kern beginnen!

Na aber sicher doch!

Wer aber nun berechtigterweise annehmen mag, dass die ehemals große sozialdemokratische Partei Österreichs diesem eitlen Selbstdarsteller , der nichts anderes getan hat, als eben jene Partei weiter gegen die Wand zu fahren, dass jene Partei also endlich die Notbremse betätigt und ihn stante pede aus allen Funktionen entlässt, der wird ein weiteres Mal mit Unfassbarem konfrontiert, denn Genossen Kern wurde seitens der Partei-Granden die Aufgabe übertragen, einen Nachfolger beziehungsweise eine Nachfolgerin zu suchen!

Manchen ist einfach nicht mehr zu helfen…

Vorwärts, Genosse Kern!

Europa wartet!

©njr, 2018

(Bild: Wikipedia)