Ganz und gar erstaunlich war es, als die SPÖ ihrem weitaus erfolgreichsten Abbaumanager anlässlich des Parteitages in Wels die Chance einräumte, sich noch einmal jenem Parteivolk, welches ihm vor gar nicht allzu langer Zeit in eben jenem Wels als eine Art neuen Messias der Sozialdemokratie Österreichs abfeierte, in der einzigen politischen Disziplin, die Christian Kern tatsächlich beherrschte, nämlich dem ausschweifenden Schwadronieren und Reden, präsentieren zu dürfen. Und der Genosse Christian nutzte dieses Privileg genüsslich aus und überzog seine Redezeit gleich mal ordentlich.

Inhaltlich war es more of the same: Die bösen Gegner waren beziehungsweise sind schuld an der Misere der Roten, bei ihm liege weder Schuld noch Versäumnis vor und überhaupt jammerte er und lamentierte, bekam nasse Äuglein und krächzende Stimme. Und wieder wähnte man sich in einem amerikanischen Wahlkampf, als der unfähigste Kanzlerdarsteller der Roten (was wahrhaftig eine exorbitante Leistung darstellt nach Genossen wie Klima, Gusenbauer oder Faymann) endlich daran ging, von seinem Platz im Scheinwerferlicht abtreten zu wollen, als er den letzten Getreuen, die sich da in Wels versammelt haben, das neudeutsche

Yes, we Pam!“ entgegenrief. Was immer dieses auch bedeuten mag.

Und dann war sie endlich da. Angekommen. Las brav die aufgesetzte Rede frisch vom Blatt ab, vergriff sich mehrmals im Ton, hatte ihre Stimme kaum im Griff und präsentierte sich als die Neue, die Hoffnung der Partei, schlussendlich auch mit dem Anspruch, erste Bundeskanzlerin des Landes werden zu wollen.

Standing ovations.

Mit der Realität da draußen, also gleich außerhalb der Welser Messehalle, hatte dieser Erweckungsparteitag aber schon gar nichts mehr zu tun. Rendi rennt also. Weniger wohlmeinende innenpolitische Beobachter würden Rendis Öffentlichkeitsarbeit der vergangenen Wochen eher mit dem Spruch „Pam pennt!“ unterlegen wollen, denn sie war eigentlich medial nicht präsent und betrachtet man die Tage, welche seit jenem denkwürdigen Parteitag schon wieder ins Land gezogen sind, so wird man eher darin bestätigt, dass dies ihrer politischen Unerfahrenheit geschuldet war und ist, wohl nach dem Motto, besser sie sagt gar nichts, als sie sagt was Falsches und besser sie tritt nicht auf, als sie machte Fehler und besser sie bleibt im Verbogenen, solange sie noch nicht parteiintern gebrieft und geschult worden ist.

Natürlich hat sie keine Macht. Natürlich hat sie keine Hausmacht in der Partei. Woher sollte sie diese auch bekommen haben? Wie das sein kann, wenn man über eben eine solche Hausmacht nicht verfügt, bekam Pamela Rendi-Wagner gleich zu spüren, als es darum ging, den ob eines sexistischen Sagers in Ungnade gefallenen designierten Tiroler Landeschef der SPÖ abzumontieren. Es gelang ihr erfolgreich nicht.

Im Rahmen eines ORF-Report-Interviews erfuhr dann das staunende Publikum, wie unglaublich gutgläubig, harmlos und unbeholfen die neue Vorsitzende da frei von der Leber weg schilderte, dass da ja nichts mehr zu machen war, denn die Genossen in Tirol, also die haben da das Sagen und sie, nun ja, sie wäre zwar Vorsitzende, aber wenn es um Landesagenden geht, und sie die Bundesagenden vertrete…..blablabla….Und dann hagelte es Phrasen aus der politischen Mottenkiste, die allesamt eines gemeinsam hatten: Man kennt sie alle schon, hat sie von diversen Vorsitzenden der einstmals staatstragenden Bewegung vernommen. Es wirkte so, als wäre die neue Chefin krampfhaft bemüht, ja alle einstudierten Punkte peinlich genau und akribisch abzuliefern, was ihr manchmal einen beinahe gehetzten Ausdruck bescherte als sie dieses Heimspiel beim ORF absolvierte. Selbstverständlich war man ihr seitens des Gebührenfunks entgegen gekommen, denn einem Strache oder Kurz, einem Kickl oder Hofer hätte man ganz anders zugesetzt beim Staatsfunk-Interview. Aber das ist ja nichts neues und eigentlich gar nicht mehr erwähnenswert.

Die Neue lieferte also alles in allem ein Armutszeugnis ab, live und in Farbe. Das ist die durchsetzungsstarke neue Vorsitzende? So sieht das aus, wenn Pamela Rendi-Wagner neue Politik macht?

Yes, we Pam?

Und bald also werden die Zweifler ausrücken, die sich fragen werden, wie eine quasi Quereinsteigerin ohne Partei-Stallgeruch, ohne Verbindungen und Seilschaften, ohne sozialistischen Background und jahrelanger politischer Erfahrung, Wahlkampferfahrung, die nicht einmal in der Lage ist, eine Kleinigkeit wie das Abmontieren eines Landespolitikers und die nachhaltige Entfernung desjenigen aus allen Parteifunktionen unfallfrei über die Bühne zu bringen, den Anspruch erhebt, Kanzlerin zu werden. Nach dem Motto, in der Partei schaffe ich es zwar nicht, aber gebt mir erst mal das Land, dann beweise ich es euch schon.

Nebenbei betrachtet, schreien zwar die sozialistischen FeministInnen unisono Mord und Zeter, wenn etwa ein konservativer Politiker – nennen wir ihn einmal Dönmez – eine verbale Entgleisung sich leistet. Geschieht das allerdings in den eigenen Reihen, siehe jenen Bezirkspolitiker, der etwa Frau Köstinger sexuell beleidigte oder eben jenen Herrn Dornauer, dann müssen diese Täter selbstverständlich NICHT zurücktreten aus allen Funktionen. Manche sind eben gleicher und linker Sexismus ist ja gar nicht so böse!

Das wird parteiintern geregelt werden, also erhobener Zeigefinger und strenges Ins-Gebet -Nehmen a la „Du , du, dass das nicht wieder vorkommt, böser Bub, du!“

Zweifellos gewinnt man mit dieser Art von Politik verlorenes Wahlvolk zurück. Ganz sicher doch!

©njr, 2018

(bild: wikipedia)